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Achtsamkeitsbasierende Körperarbeit

 

Ist die manuelle Umsetzung aus Erkenntnissen der achtsamkeitsbasierenden Sozialmedizin und Psychotherapie unter Verwendung von  traditionellen empirisch erprobten Therapiearten wie Shiatsu, Lomi Lomi, Nuad Thai...

Die Tatsache, dass der gesamte Körper auf Berührung reagiert und die ersten menschlichen Begegnungen auf taktiler Basis erfolgen, lässt die taktilen Offenbarungen der Umwelt zu den elementarsten Erfahrungen des Menschen werden.

So achtsam und akzeptierend eine Mutter auch sein mag so trägt auch sie Vorstellungen mit wie ein Kind zu sein hat und überträgt das mit Berührung auf das Kind.

Die Art und Weise wie wir berührt wurden und werden, bestimmt wie wir uns in der Welt letztendlich begreifen.

Achtsamkeit das heißt gelassenes nicht wertendes Gewahrsein von Augenblick zu Augenblick ohne über das Wahrgenommene nachzudenken, Vergleiche anzustellen oder anderweitig zu werten.

Diese durch Meditation eingeübte Haltung ermöglicht ein Loslassen jeglicher Vorstellung wie etwas sein sollte und ermöglicht so die umfassende Akzeptanz die in die Berührung bei der Körperarbeit mit einfließt.

Achtsamkeit  arbeitet nicht gegen ein funktionelles, körperliches oder psychosomatisches Symptom, definiert nicht, wie ein Mensch optimal beschaffen sein sollte, sondern gibt ihm gezielt Gelegenheit und Raum, sich selbst zu reorganisieren und von innen heraus zu genesen.

Diese Art von Achtsamkeit verlangt auch ein loslassen von Technik und Konzentration auf ein Ergebnis denn Konzentration führt leicht zu Anspannung. Sie neigt dazu, bestimmte Aspekte zu betonen und andere zu vernachlässigen. Wenn wir uns zum Beispiel auf unsere Hände konzentrieren, so zieht dies Aufmerksamkeit von unseren Füßen ab. Wenn wir es schaffen, uns auf unsere Hände und auf unsere Füße zu konzentrieren, so wird es zum einen sehr anstrengend, zum anderen wird es uns unmöglich sein, uns zusätzlich noch auf unseren Rücken, unsere Schultern und unser Becken zu konzentrieren. In der Sammlung kommen selbst die komplexesten Lebensvorgänge zu einem harmonischen Miteinander. Die Konzentration kann dies nicht leisten.

Konzentration ist ihrer Natur nach dualistisch, das heißt sie braucht ein Subjekt, jemanden, der sich konzentriert, und ein Objekt, etwas, auf das er sich konzentriert. Wenn wir uns auf uns selbst, zum Beispiel auf unseren Bauch konzentrieren, so spalten wir uns gleichsam auf. Als den Ort, an dem Konzentration stattfindet, sehen wir den Kopf an, der Befehlsgeber ist im Allgemeinen unser bewusstes Ich, das bestimmte Vorstellungen, Intentionen und Wünsche hat. Der Rahmen, in dem wir uns konzentrieren, ist gegeben durch das, was wir gelernt, erfahren, erkannt haben, kurz: durch das, was wir uns in der Vergangenheit erarbeitet haben. Konzentration ist ein aktiver Vorgang, in dem der konzentrierte Geist in einem bestimmten Sinn auf das Objekt der Konzentration zugeht und dann die in der Konzentration gewonnenen Informationen auswertet. Wir können Konzentration mit dem Hinunterdrücken eines Stückes Holz unter die Wasser­oberfläche vergleichen. Wenn wir es loslassen, wird es seiner Natur nach wieder oben schwimmen.

Anders ist es mit der Sammlung. Sie wird verglichen mit dem Sinken eines Gegenstandes, der schwerer ist als Wasser und ganz natürlich am Grund liegen bleibt. Sammlung ist ein Zustand, der in sich ruht. Sie geschieht von alleine in Entspannung, Ruhe und Natürlichkeit. Wie in der Konzentration ist auch in der Sammlung der Geist hellwach, jedoch ist er nicht scharf auf etwas gerichtet. In der Sammlung sind wir eher empfänglich. Wir sind, so weit es geht, ohne Gedanken und unser Ich-Bewusstsein möglichst ohne Intention. In der Sammlung ist die Wahrnehmung natürlich und mühelos, ähnlich wie die Wahrnehmung der Nebengeräusche beim Autofahren. Einem guten Autofahrer zum Beispiel werden Veränderungen des Motorengeräuschs auffallen, auch wenn er sich vorher nicht eigens darauf konzentriert hat. Umgekehrt wird ein Autofahrer diese Veränderungen vielleicht überhören, wenn er sich zu sehr auf den Straßenverkehr konzentriert. Im Zustand der Sammlung ist es dagegen ohne Mühe möglich, sich gleichzeitig in seinem ganzen Körper, in den Händen, Füßen, im Becken und dem Rücken zu erleben. Zwar können wir in der Sammlung auch Schwerpunkte setzen, aber wir müssen es nicht, während die Konzentration sie ihrer Natur nach setzt.

In der Konzentration machen wir aktiv etwas mit dem, auf das wir uns konzentrieren; in der Sammlung lassen wir es zu, dass etwas mit uns geschieht. Sammlung ist ein Zustand inneren Gewahrseins, der keines abgetrennten Beobachters bedarf und keine bewusste Interpretation beinhaltet. Das in der Sammlung Erfahrene spricht für sich selbst, und oft bleibt es zunächst unverstanden, bis es sich uns auf seine eigene Weise offenbart. Dies geschieht mitunter erst dann, wenn der Verstand die Schubladen und Kategorien, in die er neue Erfahrungen einzuordnen pflegt, aufgegeben hat. Während die in der Konzentration gewonnenen Erkenntnisse im Allgemeinen im Rahmen der unserem bewussten Ich gewohnten Strukturen bleiben, hat der Zustand der Sammlung die Kraft, uns über diese Grenzen hinauszutragen. Dies kann atemberaubend sein und erfordert oft eine gehörige Portion Mut, Altes loszulassen.

Auch hier liegt ein großer Unterschied zur Konzentration. Konzentration braucht stets einen Inhalt. Wenn das Objekt der Konzentration wegfällt, so verliert sie ihren Sinn und es stellt sich ein Gefühl der Leere ein, in dessen Gefolge uns leicht langweilig werden kann. Sammlung kann ihrer Natur nach nie langweilig sein. Wenn wir uns auf einen Vorgang konzentriert haben, der zu Ende geht, so beginnt der an die Konzentration gewöhnte Geist, sich möglichst schnell einen neuen Reiz zu suchen. Es ist ein Zeichen unserer immer schneller werdenden Zeit, dass die Momente der Stille zwischen zwei Reizen mehr und mehr verloren gehen, ja sie scheinen uns zunehmend unerträglich zu werden. Die Sammlung ist in der Lage, diese inhaltslosen Lücken aufzufüllen. Sie beschreibt einen Zustand, in dem der Geist offen, empfänglich und wach ist und in sich selbst ruht. In gesammelter Aufmerksamkeit können Inhalte auftauchen, aber das Feld gesammelter Aufmerksamkeit bleibt auch bestehen, wenn die Inhalte verschwinden. Es entsteht ein Gefühl erfüllten Daseins, das keines Tun’s, keiner Leistung bedarf.

Sammlung lässt einen Raum entstehen, in dem von alleine geschieht. Sind wir in unserem Körper gesammelt, so können wir auf natürliche Weise die Einheit zwischen unserem Geist und unserem Körper erleben. Es ist ein Zustand, da der Geist den Körper durchdringt, in ihm ruht; es ist ein Zustand jenseits allen Besonderen, das heißt ohne jedes Abgesondert Sein. Es ist so natürlich und unauffällig, dass unser nach Inhalten suchender Intellekt ihn leicht übersieht.

Wenn wir Heilung nicht nur als das Verschwinden von Symptomen auffassen, sondern im Sinne von heil, ganz werden, so kann uns die Sammlung des Geistes im Körper tatsächlich helfen, uns in unserer Ganzheit zu erfahren. Körper und Geist erscheinen uns nicht mehr als getrennt voneinander.

 

Weiterführende Literatur siehe

Joachim Schrievers   "Durch Berührung Wachsen"

Bevis Nathan  "Berührung und Gefühl in der manuellen Therapie"

Thea Rytz  "Bei Sich und in Kontakt"

Norbert Klingenberg "Achtsamkeit in der Körperverhaltenstherapie"

Ron Kurtz  "Körperzentrierte Psychotherapie Die Hakomi Methode"

Chögyam Trungpa  "Achtsamkeit, Meditation & Psychotherapie"

Thich Nhat Hanh " Aus Angst wird Mut Grundlagen budhistischer Psychologie"

Mahathera Henepola Gunaratana " Die Praxis der Achtsamkeit"

Heidenreich u Michalak "Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie"

Andersen-Reuster Ulrike "Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik"

Gendlins "Focusing: Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme"

Hayes "In Abstand zur inneren Wortmaschine: Ein Selbsthilfe- und Therapiebegleitbuch auf der Grundlage der Akzeptanz- und Commitment-Therapie"